Aktuelle Bäder- und Sanitär-Trends

Purismus macht sich breit im Bad und Farbe statt Fliesen

28.08.2009 Dr. Gabriele Hefele

Die Küchen im Labor-Look machten es vor, nun folgen die nüchternen Bäder mit klaren Farben und Linien. Der letzte Schrei im Gäste-Bad: das Urinal.

Sag‘ mir, von welcher Farbe Dein Bad ist und ich sage Dir, aus welchem Baujahr Dein Haus stammt! So ähnlich könnte man etwas übertrieben formulieren. Aber wahr ist, dass man zumindest das ungefähre Jahrzehnt eines Hauses bestimmen kann, wenn man einen Blick in die Badezimmer wirft: Rosa und hellblaue Fliesen waren der letzte Schrei der 60er. Olivgrüne oder braun glänzende - und nebenbei radioaktiv strahlende – Keramik-Ware lassen die Villa unerbittlich auf die 70er Jahre zurückführen. Und ganz klinisch weiße Bäder oder der übliche glänzende Marmor mit grauem oder braunem Durchschuss sind zwar noch nicht so lange her, aber zehn Jahre sind es auch. Und sie sind zudem out – besonders wenn sie auch noch decken- oder zumindest türhoch gefliest wurden.

Farbe statt Fliesen

Eine alte Regel eines Architekten gilt nach wie vor: „Marmor“, so dozierte er, „Marmor gehört in das Stadt-Appartement; aufs Land aber Terra-Cotta!“ Natürlich bestätigen auch hier wieder Ausnahmen die Regeln: unbehandelter, unregelmäßiger Marmor in kleinen 10x10cm-Stücken macht sich außerordentlich gut im Landhaus-Bad – und steht übrigens im Preis dem behandelten glatten Stein in nichts nach! Natürlich darf es auch nach wie vor die weiße Fliese im Grundton sein, aber sie wird geschmackvoll gemischt mit Terracotta. Für künstlerisch begabte: selbst fantasievoll bemalen! Apropos Fliesen: Mode ist schon länger Fliesen im Bad nur als Sockel von 1,20 Metern.

Der letzte Schrei aber ist abwaschbare Plastik-Farbe. Nicht jedermanns Geschmack, erinnert ältere Semester an die grässliche grüne Ölfarbe in Miets-Treppenhäusern der 50er Jahre, kann ärmlich wirken. Aber ist der Wirtschafts-Krise angepasst. Billiger als Fliesen vom Baumarkt ist Farbe auch nicht, ist aber einfacher für Do-it-yourself-Handwerker anzubringen. Und sie wird glatt aufgetragen, Wisch-Technik war mal.

Wie die Küchen so werden auch Bäder nüchterner

Farbige Sanitärkeramik ist absolut passée. Sie waren der letzte Schrei in den 80er Jahren, als man allenthalben auf lindgrün, senfgelb oder carneol stieß. Die 90er gehörten der angeblich ach so eleganten grauen Farbe! Doch jetzt heißt es: Weg mit den grauen 1990er Jahren, her mit dem strahlenden oder matten Weiß für Waschbecken, Badewanne und Dusche.

Der berühmte belgische Designer Philipp Starck war der erste, der die bisher oft nachgeahmte aber unerreichte Wasch-Zuber- und –Eimer-Edition hervorbrachte. Unübertroffen sein Waschbecken mit verjüngender Kirschbaumholz-Linie, dabei auch noch praktisch mit verstecktem Stauraum darunter, so teuer übrigens wie ein guter Edelstein-Ring. Aber es ist ja auch meist eine einmalige Anschaffung. Lässt sich übrigens zu elegantem wie rustikalem Bad kombinieren.

Wer etwas auf sich hält, pflegt neuerdings auch die männliche Emanzipation mit dem Urinal vor allem im Gäste-Bad, damit es jeder gleich sieht. Hat wohl alles nichts genutzt mit den Aufschriften wie „Bitte setzen beim Pinkeln...“ Verfügt es allerdings über keinerlei Abdeckung, so findet man es als Gast-Dame schon eine Zumutung, beim Nach-wie-vor-Hinsetzen auf den normalen Donnerbalken das Gerät in Kinn-Höhe neben sich zu haben. Also bitte: Wenn Urinal,dann mit Deckel.

In:

  • unbehandelter Marmor
  • weisse Sanitär-Keramik
  • rechteckige Waschbecken
  • Urinal
  • bei Fliesen: Streifen-Design, Terra-Cotta, selbst bemalt

Out:

  • decken- oder türhoch fliesen
  • farbige Sanitär-Keramik
  • glatter, weisser Marmor
  • Blümchen

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Philipp Starck-Becken, Hefele Philipp Starck-Becken
   
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